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Geschichte des Judo

Jigorō Kanō wurde am 28. Oktober 1860, als Abkömmling einer Sake-Brauer-Familie, in der Stadt Mikage, in der Präfektur Hyōgo (in der Nähe von Kyōto) geboren. Während seiner Jugend hatte Kanō Jigorō eine schwache körperliche Konstitution, das machte ihn wiederholt zum Opfer von anderen Jugendlichen seines Alters. Er beschloss daraufhin, sich selbst so weit zu stärken, wie es nur möglich war. Im Alter von 17 Jahren begann Kanō deshalb mit dem Studium des Jiu Jitsu, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine in Japan weitverbreitete Kampfsportart war. Das Studium der Techniken der verschiedenen Ju-Jitsu Stile brachte Jigorō Kanō auf die Idee, ein eigenes Ju-Jitsu System zu schaffen und es für junge Leute attraktiver als bisher praktizierte Kampfsystem zu machen.

Es sollte nicht nur Wert auf die Kampftechniken gelegt werden. Vielmehr sollte dem Training des Verstandes der Schüler eine gleichrangige Bedeutung zufallen. Kanō machte es sich zur Aufgabe, ein System zu entwickeln, das, aufbauend auf wissenschaftlichen Prinzipien, körperliche und geistige Ausbildung der Schüler miteinander verband. 1884 war der Entwicklungsprozess des von Kanō gelehrten Kampfstils so weit fortgeschritten, dass Kanō damit begann, die Prinzipien des neuen Kampfsystems in der Satzung des Kōdōkan-Dōjōs festzuhalten. Kanō Jigorō deklarierte mit den folgenden Worten sein neues Kampfsystem: „Durch das Vereinen all der Vorteile, die ich verschiedenen Schulen des Jiu Jitsu entnommen habe, und durch das Hinzufügen meiner eigenen Techniken habe ich ein neues System der Körperertüchtigung, des mentalen Trainings und des Wettkampfs gefunden. Dieses System nenne ich Kōdōkan-Jūdō.“

Technisches Prinzip „Sei – Ryoku – Zen – Yo“

  • Bester Einsatz von Geist und Körper.
  • Ausnutzen der Bewegung des Gegners und des eigenen Schwungs.
  • Anwenden der Hebelgesetze.
  • Brechen des gegnerischen Gleichgewichts.
  • Das eigene Gewicht mehr einsetzen als die eigene Kraft.
  • Den Gegner studieren und Schwachpunkte ausnutzen.

Moralisches Prinzip „Ji – Tai – Kyo – Ei“

  • Gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen.
  • Höflichkeit dem Partner gegenüber.
  • Harmonie und Zusammenarbeit mit dem Gegner, der zum Partner wird.
  • Auf der Matte kann man die Anwendung dieses Prinzips unter anderem daran erkennen, dass Tori die Kontrolle über die Fallübung Ukes ausübt.
  • Uke bei Würge- oder Hebeltechniken rechtzeitig abschlägt und Tori die Technik daraufhin sofort beendet.
  • Alle Übenden miteinander trainieren und kein Partner zum Üben abgelehnt wird.
  • Beim Üben von Judotechniken und beim Randori Rücksicht auf Alter, Geschlecht, körperliche  und  technische  Entwicklung  des  Partners  genommen  wird  und  wechselseitige  Erfolgserlebnisse ermöglicht werden.
  • Jeder Übende bereit ist, für sein Handeln und für die Gruppe Verantwortung zu übernehmen